Bevölkerungseinbruch: VG Großbreitenbach wäre jetzt keine mehr

Die Verwaltungsgemeinschaft Großbreitenbach (VG) ist unter die 5 000-Einwohner-Marke gerutscht. Müsste sie jetzt neu genehmigt werden, hätte sie keine Chance mehr. Doch wie soll es nun weitergehen?

Von Thomas Klämt

Nicht nur zwischen Kirchturmspitze und Rathaus Großbreitenbach sinkt die Bevölkerungszahl. Die gesamte Verwaltungsgemeinschaft Großbreitenbach würde heute nicht mehr als solche genehmigt: Die Bevölkerungszahl ist unter die geforderten 5 000 Einwohner gefallen.

Großbreitenbach - Die kleinen Orte der Verwaltungsgemeinschaft spürten den Notstand zuerst: Das Geld reichte nicht mehr für eigene Haushalte, mitunter stand die Frage, wovon ein neuer Rasenmäher zu bezahlen wäre. Nun erreicht das Dilemma auch die VG als Ganzes, hier aber (noch) nicht wegen der Geld-, sondern auf Grund der Einwohnerproblematik. Der Zensus, die Volkszählung von 2011, brachte es in ihrer Auswertung und Fortschreibung an den Tag: Zum 30. Juni 2012 rutschte die VG Großbreitenbach auf 5 000 Einwohner ab, "inzwischen liegen wir darunter", bestätigte gegenüber Freies Wort Andreas Beyersdorf, VG-Vorsitzender. Zum 8. August weist eine Fortschreibung der Zensus-Daten durch die VG lediglich noch 4 853 Einwohner auf; davon 2 618 in Großbreitenbach, 1 002 in Altenfeld, 571 in Böhlen, 256 in Gillersdorf, 206 in Friedersdorf und 200 in Wildenspring.

Als Hauptgrund für das drastische Absinken der Bevölkerungszahlen macht der VG-Chef nicht einmal eine hohe Sterberate, zu geringe Geburten oder zu starke Abwanderung der heimischen Einwohnerschaft aus, sondern das Ende des Großprojektes ICE. Das nämlich hatte Arbeitskräfte in die Region gespült, die vorübergehend auch ihren Hauptwohnsitz hier gemeldet hatten. Inzwischen meldeten sich vor allem aus Altenfeld viele Bauleute der Tunnelprojekte ab.

"Die VG begann einmal mit 6 300 Einwohnern", erinnert sich der VG-Chef an stabilere Zeiten. Der Bauleute-Abzug schlage jetzt voll durch, "ansonsten haben wir ganz normale Rückgänge, wie in anderen Regionen des Landes auch - weniger Geburten als früher und mehr Sterbefälle", sagte Beyersdorf. Er ahnt, was den einzelnen Orten, die jetzt schon keine Finanzpolster mehr haben, damit droht: "Etwa 600 Euro gibt es vom Land an Schlüsselzuweisungen pro Einwohner. Da kann sich jeder ausrechnen, wo das hinführt..." Wie hier auch verwaltungstechnisch gegenzusteuern wäre, um die örtlichen Behörden zu größeren Einheiten zusammenzuführen und Geld zu sparen, weiß auch er nicht. Vom Land gibt es nur Freiwilligenmandate auf verwaltungstechnische Zusammenschlüsse, keine Vorgaben. Und in der Region gibt es keine Einigung, ja mitunter nicht einmal Annäherung in den Standpunkten, was Fusionen betrifft. Die ehrenvolle Verpflichtung, das Wohl der Gemeinde und der Einwohner nach Kräften zu fördern, lässt hier mitunter zu wünschen übrig, scheint der Fluch kleinkarierten Denkens aus Zeiten fürstlicher Bruderkriege über dem Land zu liegen.

Keiner weiß, wie weiter

"Die 5 000 war eine magische Größe. Es weiß keiner, wie es weitergehen soll", sagt der VG-Chef mit resignierendem Klang in der Stimme. Für die einzelnen Orte bedeutet dies finanztechnisch weiter den Notstand. Da tröstet es kaum, dass die VG selbst letzte Jahre recht gut ihre Einwohner zählte und gegenüber dem Zensus zum Stichtag 31. Dezember 2011 nur um 25 Personen daneben lag. Der Zensus, der mit einer Hochrechnung auf die tatsächliche Einwohnerschaft schloss, ermittelte damals für die VG Großbreitenbach 5 039 Einwohner, im Ort selbst war nach dem Zentralen Einwohnerregister noch von 5 064 ausgegangen worden. Rückwirkend werde dies keine Auswirkungen auf die Schlüsselzuweisungen haben, sagte Beyersdorf, keiner der Orte müsse wegen der Differenz etwas ans Land zurückzahlen, künftig aber gelte die kleinere neue Einwohnerzahl. Die größte Differenz zwischen Zensus und Einwohnerregister wies 2011 nach jetziger Auswertung in der VG die Stadt Großbreitenbach mit 15 zu viel benannten Einwohnern auf, gefolgt von Böhlen mit sieben zu viel, Altenfeld sieben zu wenig, Gillersdorf fünf zu viel und Friedersdorf zwei zu viel.

Seitdem sanken die Zahlen aber weiter. An die Daten des Zensus gehalten ergeben sich für die einzelnen Ortschaften der VG Großbreitenbach vom 31. Dezember 2011 bis 30. Juni 2012, also binnen eines halben Jahres, folgende Entwicklungen: Großbreitenbach verlor weitere 20 Einwohner, Altenfeld weitere neun, Gillersdorf fünf, Böhlen vier, Friedersdorf drei. Lediglich Wildenspring legte um zwei Einwohner von 198 auf wieder 200 zu und konnte dies auch bis August halten. Insgesamt bleibt aber auch bei Wildenspring der Negativtrend bestehen: Zu Jahresende 2010 zählte der Ort noch zehn Einwohner mehr. Ein Konzept, dem entgegenzuwirken, liegt in der VG insgesamt nicht vor.

 

Freies Wort 24.08.2013

 

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