Der Dorfladen in Böhlen muss zum Jahresende schließen.

Foto: Christian Gehrke

Böhlen (Ilmkreis). Böhlens Bürgermeister Reinhard Krannich konnte seine tiefe Enttäuschung nicht zurückhalten. "Schade, schade, schade", sagte er immer wieder.

Jahrelang hatte die Gemeinde mit allen Mitteln versucht, ihren Dorfladen zu erhalten. Jetzt geht es nicht mehr: Der Laden wird zum Jahresende schließen. Das bestätigte der Bürgermeister gestern unserer Zeitung.

Bereits am Dienstag beschloss der Gemeinderat, dass von Seiten Böhlens kein Geld mehr fließen wird. "Wir haben drei Stunden beraten. Es war hart. Doch wir können uns den Laden beim besten Willen nicht mehr leisten. Wirtschaftlich betrachtet sind wir insolvent", sagte Krannich. Allein in diesem Jahr hat die Gemeinde 11 000 Euro zugeschossen. 7000 Euro Schulden müssen noch gezahlt werden: Offene Rechnungen, Miete, laufende Kosten. Ein Sponsor oder Investor für den Laden findet sich nicht.

"Wenn jetzt nicht noch einer im Lotto gewinnt, dann war es das", so Bürgermeister Reinhard Krannich. Er hatte persönlich um das Geschäft gekämpft. Krannich ist erster Vorsitzender des Vereins "Bürger für Böhlen", der sich vor fünf Jahren für den Laden gründete, ihn übernahm und so am Leben erhielt. Gestern Abend trat der Verein erneut zusammen, um über die Schließung zu beraten.

Zurück bleiben jetzt enttäuschte Kunden und Anwohner. "Das ist der Kapitalismus - Der eine frisst den anderen", sagte Siegfried Schinzel aus Böhlen. Bürgermeister Krannich ist der Meinung, dass die Böhlener es selbst in der Hand hatten. "Jeder Euro, jeder, der eingekauft hätte, hätte uns geholfen. Wir hatten 70 Dauerkunden und 40 Wechselkunden. Das war eindeutig zu wenig. Das hat einfach nicht gereicht ", sagte er.

 

Gabriele Staude ist die Verkäuferin in dem Dorfladen. Auch sie ist enttäuscht und traurig. "Ich muss wohl bald zum Amt und mich arbeitslos melden", sagte sie.

In Böhlen wohnen viele allein stehende, ältere Frauen. Sie seien auf das Geschäft im Ort angewiesen, meinte die Verkäuferin. "Sie fragen mich jetzt, wie es weitergehen soll, wo sie einkaufen sollen. Die Kunden werden auf mobile Verkaufswagen warten müssen oder sich von Verwandten und Bekannten helfen lassen", sagte Gabriele Staude.

Als der Vorstand des Vereins "Bürger für Böhlen" vergangene Woche zusammenkam, um erneut händeringend nach irgendeiner Rettung zu suchen, hatte sie eine schlaflose Nacht. Inzwischen geht es ein bisschen.

Christian Gehrke / 15.11.13 / TA

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