Vom verschnarchten Weihnachtsmann

Es gehört zu den bestgehüteten Geheimnissen Böhlens, wer wieder im Rotmantel und Rauschebart von der Steinsberghütte durch den Winterwald kommend Jung und Alt erfreut.

Die Böhlener Kinder versuchten den verschlafenen Weihnachtsmann aufzuwecken.

Böhlen - Waren es vergangenen Freitag vor allem die Kinder selbst und deren Angehörige, zu denen bei der großen gemeindlichen Weihnachtsfeier mit etwa 120 Gästen ein bestens informierter Weihnachtsmann mit Humor und wohl auch etwas wohlmeinend-pädagogischer Inbrunst kam, gehörte der Samstagnachmittag dann jenen Mitbürgern, denen die Jüngsten von der Kita "Milchberg-Strolche" nach ihrem hinreißenden Bühnenprogramm stolz "Huhu Oma, Opa!" zu riefen. 85 betagtere Einwohner wurden herzlich begrüßt von Bürgermeister Reinhard Krannich und bewirtet von zahlreichen ehrenamtlichen Helferinnen an festlich, mit bunten Tellern gedeckten Tischen in der Mehrzweckhalle.

Was an stimmlicher Reinheit, Klangfülle und vorweihnachtlich-musikalischer Stimmung dabei heraus kommt, wenn man sich seit Jahrzehnten einmal wöchentlich am Montagabend in der "Schönen Aussicht" zu Proben und geselligem Zusammensein findet: Der Böhlener Gesangverein machte es eingangs des Programmes mit seinem Auftritt deutlich. Dirigentin Edeltraud Hopf gelang es abschließend sogar, das Publikum zum Mitsingen aus der Reserve zu locken.

Kinder mit Programm

Als Bürgermeister Reinhard Krannich 1999 sein Ehrenamt antrat, hatte Böhlen gut 800 Einwohner, "jetzt sind's nur noch gut 500", antwortete er auf die entsprechende Frage am Rande der Feier. Dann aber legten die immerhin noch 32 Kita-Knirpse, unterstützt von einigen Hort-Kindern, ein solch quicklebendiges Programm hin, dass sich mancher Gast eine Träne aus den Augenwinkeln wischen musste: Aus Stolz über die Enkel oder Urenkel. Auch aus dem Grübeln über die katastrophale ländliche Entwicklung der Einwohnerzahlen heraus? - Vor allem aber dennoch vor herzhaftem Lachen! Denn wie die Zukunft des Dorfes buchstäblich aus voller Kehle von "Soooo viel Heimlichkeit" und anderen Erwartungen an die Weihnachtszeit los trällerte, das war einfach hinreißend.

Und wie Patrick zu Liedern und Geschichten eine Adventskerze nach der anderen entzündete, die Zwillinge Magdalene und Victoria den Schneemann gaben oder auch junge Instrumentalisten ihr Können zeigten: Eine gelungene Feier schon bis da hin. Nur noch getoppt vom schwungvollen Liedchen "Weckt den Weihnachtsmann!" Der hatte es sich auf der Bühne so richtig schön unterm Federbettchen bequem gemacht. Um sich dann in kurzer Schnarchpause zu einem "Frohes Fest!"-Wunsch aufzurappeln... und weiter zu schlafen.

Bevor in geselliger Runde mit Alleinunterhaltermusik auch zum Tänzchen eingeladen war, lüftete eine Diethard-Schneider-Video-Production, als mediale Botschaft aus dem Weihnachtsmannhaus (der echt versteckt gelegenen DRK-Hütte), fast das Inkognito-Geheimnis des Weihnachtsmannes. Der enttarnte sich nämlich bei einer "Life-Schaltung" ins Fitness-Studio Katzhütte fast selber, als er preisgab: "Meine Bauchmuskeln sind ja recht intakt, aber mein Bein... oooh, mein Bein!" So was kommt halt vom ungeübten Stelzenlaufen, flüsterte und flaxte mancher Weihnachtsfeiergast. Und entschuldigte so das körperliche Fernbleiben des liebenswerten "Alten", der bei seiner Video-Botschaft inzwischen durch viel Bewegungstraining nahezu genesen schien.

Text: Klaus-Ulrich Hubert (FW10.12.12)

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