Nachbarschaftsladen

Kaufen im dorfeigenen Geschäft

Böhlener möchten in Zukunft ihren Einkaufsmarkt selbst betreiben

Von Evelyn Franke

 

Böhlen - Wenn das Unternehmen Nachbarschaftsladen funktioniert, hat die 650  Seelen-Gemeinde Böhlen manch anderem Ort den Weg bereitet. Klappt es nicht, ist man um eine wichtige Erfahrungen reicher.

Als vor wenigen Wochen bekannt wurde, dass Nahkauf Herold im Dorf zum 30. April seine Türen schließt, war guter Rat teuer. Bürgermeister Reinhard Krannich, der Gemeinderat und auch VG-Chef Andreas Beyersdorf, in Böhlen zu Hause; wollten sich nicht damit abfinden, dass ein weiteres Stück Infrastruktur verloren geht, nach Wegfall von Schule, Post und Arztpraxis Böhlen ein weiteres Eckchen stirbt. Denn mit dem Geschäft würde auch ein Treff- und Kommunikationspunkt ausgelöscht.

Bei ihren Recherchen stießen Krannich und Beyersdorf anderorts auf Dorf- beziehungsweise Nachbarschaftsläden. Viele sind es in Deutschland nicht, aber in einigen, vor allen den alten Bundesländern, existieren Geschäfte mit Grundversorgungsauftrag, die über einen Verein oder ein anderes gemeinschaftliches Organisationsmodell ohne Gewinn-Erzielung getragen werden.

Nicht ohne Zweifel

Voraussetzung für diesen Weg ist, dass die Idee im Ort auf fruchtbaren Boden fällt, erklärte Reinhard Krannich. Und bis zur eilig einberufenen Einwohnersammlung hatten selbst er und mancher Gemeinderat nicht wenige Zweifel, ob die Böhlener nicht nur im Ort weiter einkaufen, sondern auch hinsichtlich des Betreibens des Dorfladens aktiv werden wollen.

Mit glänzenden Augen und Betroffenheit nahmen dann vor allem viele Ältere unter den 150 Böhlenern sowie Zuhörer aus Gillersdorf und Wildenspring bei der Einwohnerversammlung die Nachricht zur Kenntnis: Zum 30. April möchte Jürgen Herold, Betreiber des Nahkauf-Marktes, nach mehr als 16 Jahren mit 67 in den verdienten Ruhestand gehen. Er hat seine Bereitschaft kund getan, die Geschäftsräume weiter zur Verfügung zu stellen und in einer Übergangszeit beratend zur Seite zu stehen.

Die Einwohnerversammlung bestärkte Bürgermeister und Gemeinderat, ihre Bemühungen voranzutreiben. Die Böhlener möchten ihren Dorfmittelpunkt nicht missen, was sich bei der anschließenden Tür-zu-Tür-Befragung bestätigte: 182 Haushalte (65 Prozent) der insgesamt 280 angesprochenen Haushalte votierten für eine Weiterführung des Nahkaufs als Dorfladen. 53 erklärten sich bereit, sich persönlich dafür einzubringen.

Ein fertiges Konzept hatte und hat Krannich nicht im Ärmel, betritt man in Thüringen mit diesem Thema nahezu Neuland. Inzwischen ist man aber ein Stück weiter gegangen. über Kontakte zum Bildungswerk Großbreitenbach und zu Agenda-Verantwortlichen versucht man sich im Rahmen eines Unternehmenskonzeptes voran zu tasten, wie man das Risiko einschließlich der Anschubfinanzierung von rund 45 000 Euro für den Laden auf möglichst breite (Förder-)Schultern verteilen kann.

Am 15. April soll der Nachbarschaftsladen Thema im Gemeinderat sein und bei einer weiteren Einwohnerversammlung der Träger "formiert" werden.

Übergangslos wird der "dorfeigene" Laden vielleicht noch nicht geöffnet haben, aber Anfang Mai hält man durchaus für realistisch.

 

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